Beratungstelefon für am Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf Interessierte

Wer nutzt das Angebot?

Die Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ hält seit April 2014 ein telefonisches Beratungsangebot für Frauen und Männer vor, die sich mit einem Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf beschäftigen. Das Beratungstelefon ist regelmäßig an drei Tagen in der Woche besetzt. Um für Berufstätige erreichbar zu sein, finden die Sprechzeiten montags und mittwochs jeweils von 15.30 bis 19 Uhr statt. Freitags finden die Beratungen zwischen 10 und 13 Uhr statt, damit weitere Zielgruppen Kontakt aufnehmen können, beispielsweise Behörden wie die Agentur für Arbeit bzw. die Jobcenter, andere berufsvermittelnde Anbieter, (ehrenamtliche) Helfer/innen Geflüchteter, oder Kitaträger, die berufsbegleitend Auszubildende bei sich aufnehmen möchten.

In welchem Umfang finden Beratungen statt?

Das Beratungstelefon wird mit einer halben Stelle besetzt. Seit der Freischaltung am 02.04.2014 wurden innerhalb der telefonischen Sprechzeiten insgesamt 1.724 telefonische Beratungen durchgeführt (Stand: 07.12.2016). Das sind circa 5,5 Gespräche pro Beratungstag. Zusätzlich zu den Sprechzeiten finden Beratungen per Email und außerhalb der Sprechzeiten statt. Ein Gespräch dauert durchschnittlich etwa 20 Minuten. Regelmäßig ist dem Gespräch ein Email-Kontakt voraus gegangen, in dem neben der Kontaktaufnahme auch erste allgemeine Fragen geklärt wurden.

Der/die typische Anrufer/in

Der Altersdurchschnitt lag bei den Männern mit 37 Jahren etwas niedriger als bei den Frau-en mit 39 Jahren. Das Geschlechterverhältnis der Anrufenden änderte sich von 2014 bis Ende 2016 deutlich: Im Jahr 2014 waren etwa 2/3 der Anrufenden männlich,  2016 hingegen waren etwa 2/3 der Anrufenden weiblich.
Mehr als ein Drittel der Anrufer/innen gab an über eine Fach- oder Hochschulzugangsberechtigung, jede/r Zehnte über einen (qualifizierten) Hauptschulabschluss zu verfügen. Jede/r fünfte Anrufer/in gab als höchsten Berufsabschluss ein abgeschlossenes Studium an und jede/r Fünfzehnte verfügte über keinen Berufsabschluss.

Entgegen der häufig geäußerten Vermutung, ein Großteil der Quereinstiegsinteressierten sei arbeitsuchend gemeldet, gaben sieben von zehn Personen an, sich in einem Anstellungsverhältnis zu befinden.
Etwa jede/r Zweite gab an, über einschlägige Erfahrungen in sozialpädagogischen Einrichtungen zu verfügen, beispielsweise durch mehrmonatige Praktika, Freiwilligendienste oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

Seit August 2014 fragte jede/r zweite Anrufende nach Informationen zu dem ESF-Bundesmodellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“. Aus allen 16 Bundesländern wurden telefonische Beratungsanfragen gestellt. Die meisten Anrufenden kamen, in absteigender Anzahl, aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Niedersachsen und Hessen. Vereinzelt riefen Personen aus dem EU-Ausland an.

Woher kommen die Anrufer/innen | Interaktive Karte (Stand: 2016)

Individuelle Beratung

Im Rahmen der Beratungen erhalten Ratsuchende aktuelle und weiterführende Informationen zu allen Fragen, die individuell auftreten können, wenn ein Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf erwogen wird oder bereits begonnen wurde. Die Beratungsbedarfe beziehen sich neben Verständnisfragen zu Zulassungsvoraussetzungen und  Ausbildungsmodellen hauptsächlich auf den Bereich der Finanzierungsmöglichkeiten.

Sich orientieren – Aber wo?

Die größte Gruppe der Ratsuchenden befindet sich zum Zeitpunkt des Gesprächs in der Orientierungsphase. Sie interessieren sich dafür, ob und, wenn ja, wie ein Quereinstieg in ihrem Bundesland realisierbar ist. Die meisten Personen wissen nicht, ob sie die Zulassungsvoraussetzungen zum Ausbildungsgang erfüllen. Als Fachfremde verstehen sie die Informationen, die sie meist der Website einer Fachschule entnommen haben, nicht genau. Ausnahmen für den Einzelfall sind in aller Regel völlig unbekannt. Nur wenige Anrufer/innen standen im Vorfeld bereits mit einer Berufsfachschule oder Fachschule/-akademie in direktem Kontakt. Regelmäßig berichten diese Personen, dass ein telefonisches Gespräch mit den Fachschulen nicht zielführend war und sie weitere Informationen benötigen. Allgemein ist den Anrufer/innen häufig nicht bekannt, dass die Ausbildungsstätten grundsätzlich zur Beratung beauftragt sind.

Zulassungsvoraussetzungen

Ratsuchenden ist in den meisten Fällen nicht bekannt, welche unterschiedlichen Ausbildungsmodelle es in ihrem Bundesland gibt. Im Beratungsgespräch hören sie häufig erstmals davon, dass sich die Ausbildungsbedingungen zwischen den Bundesländern zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, vor allem hinsichtlich der Zulassungsvoraussetzungen, der Ausbildungsmodelle und der Finanzierungsmöglichkeiten. Teilweise lohnt deswegen, je nach Wohnort und gegebenenfalls der Möglichkeit, den Wohnort zu wechseln, auch ein Blick auf andere, in der Regel angrenzende, Bundesländer. Von den Fachschulen/-akademien ist eine umfassende Beratung zu allen Möglichkeiten, evtl. sogar in angrenzenden Bundesländern, sicherlich nicht zu erwarten, denn nicht alle Fachschulen/-akademien bieten alle im Bundesland möglichen Ausbildungsmodelle an und kennen diese zum Teil auch nicht. Zudem unterscheiden sich nicht selten sogar einzelne Fachschulen hinsichtlich der Zulassungsbedingungen und Rhythmisierung des Unterrichts deutlich voneinander.

Vergütung

Die Auslotung von Möglichkeiten zur Finanzierung der Ausbildung ist ein zentraler Bestandteil aller Gespräche. In aller Regel wissen die Anrufer/innen nicht, welche finanzielle Situation sich für sie im Falle einer Ausbildung ergeben wird. Bezogen auf berufsbegleitende Ausbildungsgänge ist ihnen häufig unklar, unter welchen Vorrausetzungen und in welcher Höhe sie mit einer Vergütung rechnen können. Fast nie ist ihnen bekannt, dass Träger Vergütungen in unterschiedlicher Höhe zahlen. Zudem verfügen sie oft nur über lückenhafte Informationen bezüglich potentiell ergänzender Sozialleistungen wie Wohngeld bzw. Mietzuschuss oder Kinderzuschlag.

In der Beratung hat sich gezeigt, dass sofern keine Aussicht auf einen Bildungsgutschein zur (Teil-)Finanzierung einer vollzeitschulischen Ausbildung besteht, für Interessent/innen am Quereinstieg in der Regel nur eine vergütete Ausbildung in Frage kommt. Eine Ausnahme bilden hier alleinerziehende Mütter.

Alleinerziehende Mütter

Immer wieder berichten weibliche Anrufende, oftmals Alleinerziehende, davon, dass aufgrund der Betreuung eigener Kinder nur eine Erzieher/innenausbildung in teilzeitschulischer Form mit tatsächlich reduziertem wöchentlichem Stundenumfang in Frage kommt. Diese Einschränkung wird von männlichen Anrufenden nie angeführt.

Beratungsbedarfe von Männern

Männliche Anrufende nutzen das Beratungsangebot zusätzlich zu den oben genannten Themen, um zu erfahren, ob Männer im Berufsfeld generell akzeptiert werden. Daraus leiten sie ihre Beschäftigungschancen nach Abschluss einer Ausbildung ab.