Welche Ausbildungsformen gibt es?

Ausbildungen zum/zur Erzieherin werden bundesweit an Fachschulen (Bayern: Fachakademien) für Sozialwesen/Sozialpädagogik durchgeführt. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Ausbildungsmodelle. Zudem bieten nicht alle Fachschulen (-akademien)  alle Ausbildungsmodelle des jeweiligen Bundeslandes an.

Vollzeitschulische Ausbildung

Alle Bundesländer bieten eine unvergütete vollzeitschulische  Erzieher/innenausbildung an, die sich in den Bundesländer allerdings in der Ausgestaltung unterscheiden. In den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen-Anhalt  gliedert sich das vollzeitschulische Ausbildungsmodell in eine überwiegend fachtheoretische Ausbildung von zwei Jahren in der Fachschule/-akademie und ein anschließendes einjähriges vergütetes Berufspraktikum oder Anerkennungsjahr in einer sozialpädagogischen Einrichtung (Additives Modell).

In den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein wird die zwei- bis dreijährige vollzeitschulische Ausbildung an der Fachschule mit integrierten Praxisphasen organisiert. In diesen Ländern ist die berufspraktische Ausbildung in die schulische Ausbildung integriert (Integratives Modell). Es gibt dort kein anschließendes Anerkennungsjahr/Berufspraktikum. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern dauern die vollzeitschulischen Ausbildungen an den Fachschulen insgesamt zwei Jahre. Dafür muss aber im Vorhinein in der Regel der Berufsabschluss des/der Sozialpädagogischen Assistent/in erlangt werden.

In Thüringen dagegen gliedert sie sich die dreijährige Ausbildung in eine überwiegend fachtheoretische Ausbildung von zweieinhalb Jahren in der Fachschule zuzüglich eines sechsmonatigen Berufspraktikums in einer sozialpädagogischen Einrichtung

Berufsbegleitende und praxisintegrierte Ausbildungen

Vor allem für Menschen, die aus anderen Berufszweigen kommen und/oder eine Familie zu versorgen haben, kommt sehr häufig nur eine Ausbildungsform in Frage, während der neben der fachschulischen Ausbildung ein Einkommen erzielt werden kann. In vielen - aber bei weitem noch nicht allen Bundesländern - sind mittlerweile vergütete Tätigkeiten im Rahmen der Erzieher/innenausbildung auch für Personen möglich, die aus einem anderen Berufsfeld kommen und noch nicht über einen pädagogischen Berufsabschluss verfügen.

Diese Ausbildungsformen werden unter den unterschiedlichsten Bezeichnungen geführt. Häufig sind die Teilnehmer/innen dieser Ausbildungsform zwei bis drei Tage in der Woche in einer sozialpädagogischen Einrichtung (Lernort Praxis), zumeist einer Kindertagesstätte,  angestellt und besuchen an den weiteren Tagen eine Fachschule/-akademie. Die Aufteilung der Präsenzzeiten zwischen dem Lernort Fachschule und dem Lernort Praxis kann sich aber zwischen Bundesländern und auch zwischen den Fachschulen/-akademien innerhalb eines Bundeslandes erheblich voneinander unterscheiden. Ebenfalls kann die Dauer dieser Ausbildungsform zwischen Bundesländern und auch Fachschulen/-akademien innerhalb eines Bundeslandes abweichen.

Wieviel können Fachschüler/innen in praxisintegrierten oder berufsbegleitenden Ausbildungen in den einzelnen Bundesländern verdienen? Darüber gibt es bisher nur wenig Wissen und es lassen sich keine verallgemeinerbaren Aussagen machen. Die Verdienstmöglichkeiten hängen von vielen unterschiedlichen Variablen ab, wie zum Beispiel, davon

  • was die einzelnen Bundesländer für die Ausbildungsvergütung bzw. Eingruppierung für die praxisintegrierten oder berufsbegleitenden Ausbildungen empfehlen
  • wie viele Stunden die Fachschüler/innen in der Woche tätig sind
  • zu wieviel Prozent Einrichtungsträger Fachschüler/innen auf den Personalschlüssel anrechnen können und wollen,
  • nach welchen Tarifen Einrichtungen ihre Angestellten bezahlen
  • wie Kommunen finanziell ausgestattet sind.

Neben regulären vergüteten Ausbildungsformen gibt es in mehreren Bundesländern landeseigene Schul-/Modellversuche sowie  regionale und auf bestimmte Träger beschränkte Projekte. Diese verfolgen auf unterschiedliche Weise das Ziel, den Einstieg u.a. für Fachfremde in die Ausbildung zu erleichtern und Vergütungen zu ermöglichen.

Landeseigene Schul-/Modellversuche:

  • „Praxisintegrierte Ausbildung“ (PIA) in Baden-Württemberg
  • „Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen (OptiPrax) in Bayern
  • „Berufsbegleitende Teilzeitausbildung von Erzieherinnen und Erziehern“ in Rheinland-Pfalz

Differenzierte Ausführungen zu diesen und weiteren Schul-/Modellversuchen sowie regionalen und auf bestimmte Träger beschränkte Projekte finden Sie in unseren bundesländerspezifischen Informationssammlungen auf diesem Onlineportal.

Die „klassische“ Teilzeitausbildung

Wir bezeichnen die „klassische“ Teilzeitausbildungsform als zeitlich verlängerte Version des vollzeitschulischen Modells. Sie bringt eine im Vergleich zu vollzeitschulischen und praxisintegrierten oder berufsbegleitenden Ausbildungsformen deutlich geringere wöchentliche Zeitauslastung mit sich.  Bei berufsbegleitenden oder praxisintegrierten Ausbildungen ergibt sich durch die zum Fachschul-/akademiebesuch parallele Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung häufig eine Vollzeitauslastung. Es gibt diese „klassische“  Ausbildungsform in vielen, aber nicht allen Bundesländern. In Bundesländern mit Berufspraktikum oder Anerkennungsjahr kann es die Möglichkeit geben, auch dieses in Teilzeit zu absolvieren.