Beratungstelefon für am Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf Interessierte

Wer nutzt das Angebot?

Die Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ hält seit April 2014 ein telefonisches Beratungsangebot für Frauen und Männer vor, die sich mit einem Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf beschäftigen. Das Beratungstelefon ist regelmäßig an drei Tagen in der Woche besetzt. Um für Berufstätige erreichbar zu sein, finden die Sprechzeiten montags und mittwochs jeweils von 15.30 bis 19 Uhr statt. Freitags finden die Beratungen zwischen 10 und 13 Uhr statt, damit weitere Zielgruppen Kontakt aufnehmen können, beispielsweise Behörden wie die Agentur für Arbeit bzw. die Jobcenter, andere berufsvermittelnde Anbieter, (ehrenamtliche) Helfer/innen Geflüchteter, oder Kitaträger, die berufsbegleitend Auszubildende bei sich aufnehmen möchten.

In welchem Umfang finden Beratungen statt?

Das Beratungstelefon wird mit einer halben Stelle besetzt. Seit der Freischaltung am 02.04.2014 wurden innerhalb der telefonischen Sprechzeiten insgesamt 2.747 telefonische Beratungen durchgeführt (Stand: 05.02.2019). Das sind circa 5,5 Gespräche pro Beratungstag. Zusätzlich zu den Sprechzeiten finden Beratungen per E-Mail und außerhalb der Sprechzeiten statt. Ein Gespräch dauert durchschnittlich etwa 20 Minuten.
Zusätzlich wurden 450 Gespräche mit Personen geführt, denen ein Telefonat nur außerhalb der Beratungszeit möglich war. Über das Kontaktformular und per Email erreichten uns im genannten Zeitraum weitere 2250 Beratungsanfragen, die bearbeitet wurden.

Der/die typische Anrufer/in

Die folgenden Auswertungen beruhen auf der Erfassung der 2.747 telefonischen Beratungen wäh-rend der Sprechzeiten. Der Altersdurchschnitt lag bei den Männern mit 37 Jahren etwas niedriger als bei den Frauen mit 38 Jahren. Das Geschlechterverhältnis der Anrufenden änderte sich von 2014 bis September 2018: Im Jahr 2014 waren etwa 2/3 der Anrufenden männlich, in den Jahren 2016 bis 2018 hingegen waren stets etwa 2/3 der Anrufenden weiblich. Insgesamt stellt sich die Verteilung wie folgt dar: 41 % der Anrufenden sind männlich und 59 % weiblich (m= 1125; w= 1622).

92% (N=2524) der Anrufenden machten Angaben zu Ihrer höchsten schulischen und/oder beruflichen Qualifikation. Fast die Hälfte der Anrufer/innen gab an über eine Fach- oder Hochschulzugangsberechtigung zu verfügen. Weniger als 1/10 verfügten nicht über einen Mittleren Schulabschluss, der für die Erzieher/innenausbildung als eine Zugangsvoraussetzung relevant ist.

Höchste SchulbildungProzentuale Verteilung der Anrufenden
Mittlerer Schulabschluss (MSA)44%
Hochschulreife41%
Fachhochschulreife8%
Hauptschulabschluss bzw. Berufsbildungsreife7%

Tabelle 1: Verteilung Höchste Schulbildung; N= 2315

Hinsichtlich der höchsten beruflichen Qualifikation verfügen 6 von 10 über eine berufliche Ausbil-dung. Jede/r vierte Anrufer/in gab als höchsten Berufsabschluss ein abgeschlossenes Studium an und jede/r Zehnte verfügte über keinen Berufsabschluss.

Höchste Berufliche QualifikationProzentuale Verteilung der Anrufenden
Ausbildung63%
Studium25%
Ohne Berufsabschluss10%
Ohne Berufsabschluss, zum Anrufzeitpunkt in Studium oder Ausbildung02%

Tabelle 2: Verteilung Berufliche Qualifikation; N=2409

Entgegen der häufig geäußerten Vermutung, ein Großteil der Quereinstiegsinteressierten sei arbeitsuchend gemeldet, gaben weniger als 3 von zehn Personen an, sich im ALG-I oder ALG-II Bezug zu befinden. Zur aktuellen beruflichen Situation machten 85% (N=2341) der Anrufenden konkrete Angaben.

Berufliche SituationProzentuale Verteilung der Anrufenden
Angestellte52%
Selbständige4%
ALG-I oder ALG-II Beziehende27%
In Studium, Schule, Ausbildung, Freiwilligendienst, Praktikum8 %
In Eltern- oder Erziehungszeit5 %
Hausfrau/-mann3 %
Dauerhaft krankgeschrieben1 %

Tabelle 3: Verteilung Berufliche Situation; N=2341

Aus allen 16 Bundesländern wurden telefonische Beratungsanfragen gestellt. Die meisten Anrufen-den kamen, in absteigender Anzahl, aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Niedersachsen und Hessen.

BundeslandAnrufer/innen gesamt 02.04.14 – 05.02.2018 Bundesländer Bevölkerung  am 31.12.2017Verhältnis Anrufer/in je 10.000 Einwoh-ner/innen
Baden-Württemberg147        11.023.4250,13
Bayern169        12.997.2040,13
Berlin480        3.613.4951,33
Brandenburg72        2.504.0400,29
Bremen20        681.0320,29
Hamburg70       1.830.584 0,38
Hessen234        6.243.2620,37
Mecklenburg-Vorpommern72        1.611.1190,45
Niedersachsen259        7.962.7750,33
Nordrhein-Westfalen627       17.912.134 0,35
Rheinland-Pfalz123        4.073.6790,30
Saarland22       994.187 0,22
Sachsen 162        4.081.3080,40
Sachsen-Anhalt77        2.223.0810,35
Schleswig-Holstein128        2.889.8210,44
Thüringen41        2.151.2050,19
Gesamt Deutschland2.70382.792.3510,33

Tabelle 4:  Anrufe Beratungstelefon nach Anzahl und Verhältnis zur Einwohnerzahl aus den Bundesländern; N=2703

Jede/r Zweite gab an, über einschlägige Erfahrungen in sozialpädagogischen Einrichtungen zu verfügen, beispielsweise durch mehrmonatige Praktika, Freiwilligendienste oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Einschlägige pädagogische Vorerfahrungen sind in vielen Bundesländern eine zusätzliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Erzieher/innenausbildung.

Individuelle Beratung

Im Rahmen der Beratungen erhalten Ratsuchende aktuelle und weiterführende Informationen zu allen Fragen, die individuell auftreten können, wenn ein Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf erwogen wird oder bereits begonnen wurde. Die Beratungsbedarfe beziehen sich neben Verständnisfragen zu Zulassungsvoraussetzungen und Ausbildungsmodellen nahezu immer auf den Bereich der Finanzierungsmöglichkeiten.

Sich orientieren – Aber wo?

Die größte Gruppe der Ratsuchenden befindet sich zum Zeitpunkt des Gesprächs in der Orientie-rungsphase. Sie interessieren sich dafür, ob und, wenn ja, wie ein Quereinstieg in ihrem Bundesland realisierbar ist. Die meisten Personen wissen nicht, ob sie die Zulassungsvoraussetzungen zum Ausbildungsgang erfüllen. Als Fachfremde verstehen sie die Informationen, die sie meist der Website einer Fachschule entnommen haben, nicht genau. Ausnahmen für den Einzelfall sind in aller Regel völlig unbekannt. Nur wenige Anrufer/innen standen im Vorfeld bereits mit einer Berufsfachschule oder Fachschule/-akademie in direktem Kontakt. Regelmäßig berichten diese Personen, dass ein telefonisches Gespräch mit der Berufsfach- oder Fachschule/-akademie nicht zielführend war und sie weitere Informationen benötigen. Allgemein ist den Anrufer/innen häufig nicht bekannt, dass die Ausbildungsstätten grundsätzlich zur Beratung beauftragt sind.

Zulassungsvoraussetzungen

Ratsuchenden ist in den meisten Fällen nicht bekannt, welche unterschiedlichen Ausbildungsmodelle es in ihrem Bundesland gibt. Im Beratungsgespräch hören sie häufig erstmals davon, dass sich die Ausbildungsbedingungen zwischen den Bundesländern zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, vor allem hinsichtlich der Zulassungsvoraussetzungen, der Ausbildungsmodelle und der Finanzierungsmöglichkeiten. Teilweise lohnt sich deswegen, je nach Wohnort und gegebenenfalls der Möglichkeit, den Wohnort zu wechseln, auch ein Blick auf andere, in der Regel angrenzende, Bundesländer. Von den Fachschulen/-akademien ist eine umfassende Beratung zu allen Möglichkeiten, evtl. sogar in angrenzenden Bundesländern, sicherlich nicht zu erwarten, denn nicht alle Fachschulen/-akademien bieten alle im Bundesland möglichen Ausbildungsmodelle an und kennen diese zum Teil auch nicht. Zudem unterscheiden sich nicht selten sogar einzelne Fachschulen hinsichtlich der Zulassungsbedingungen und der Rhythmisierung des Unterrichts deutlich voneinander.

Vergütung

Die Auslotung von Möglichkeiten zur Finanzierung der Ausbildung ist ein zentraler Bestandteil aller Gespräche. In aller Regel wissen die Anrufer/innen nicht, welche finanzielle Situation sich für sie im Falle einer Ausbildung ergeben wird. Bezogen auf berufsbegleitende Ausbildungsgänge ist ihnen häufig unklar, unter welchen Vorrausetzungen und in welcher Höhe sie mit einer Vergütung rechnen können. Fast nie ist ihnen bekannt, dass Träger Vergütungen in unterschiedlicher Höhe zahlen. Zudem verfügen sie nahezu immer nur über lückenhafte Informationen bezüglich potentiell ergänzender Sozialleistungen wie Wohngeld bzw. Mietzuschuss oder Kinderzuschlag.

In der Beratung hat sich gezeigt, dass sofern keine Aussicht auf einen Bildungsgutschein zur (Teil-)Finanzierung einer vollzeitschulischen Ausbildung besteht, für Interessent/innen am Quereinstieg in der Regel nur eine vergütete Ausbildung in Frage kommt. Eine Ausnahme bilden hier alleinerziehende Mütter.

Alleinerziehende Mütter

Immer wieder berichten weibliche Anrufende, oftmals Alleinerziehende, davon, dass aufgrund der Betreuung eigener Kinder nur eine Erzieher/innenausbildung in teilzeitschulischer Form mit tatsächlich reduziertem wöchentlichem Stundenumfang in Frage kommt. Diese Einschränkung wird von männlichen Anrufenden nahezu niemals angeführt.

Beratungsbedarfe von Männern

Männliche Anrufende nutzen das Beratungsangebot zusätzlich zu den oben genannten Themen, um zu erfahren, ob Männer im Berufsfeld generell akzeptiert werden. Daraus leiten sie ihre Beschäftigungschancen nach Abschluss einer Ausbildung ab.

Quereinstiegsinteressierten eine Entscheidungsgrundlagen bereitstellen - Bedarf an landesspezifisch aufbereiteten, gebündelten und übersichtlich dargestellten Informationen

Die hier skizzierten Erfahrungen bestätigen, dass für die Zielgruppe am Quereinstieg Interessierter gebündelte landesspezifische Informationen sehr hilfreich sein können. Darin sollte eine Übersicht der Ausbildungsmodelle im jeweiligen Bundesland bereitgestellt werden, ebenso Erläuterungen zu den spezifischen Zulassungsvoraussetzungen und eine Übersicht der unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten.

Vor allem zu diesen drei Themengebieten benötigen Quereinstiegsinteressierte umfassende Informationen, um die Entscheidung für einen Gang in das Berufsfeld der Erzieher/innen treffen zu können.

Finanzierung des Lebensunterhaltes durch Vergütung

Die Ratsuchenden befinden sich häufig in einer Lebensphase, in der Planbarkeit und Klarheit hinsichtlich ihrer finanziellen Situation eine essenzielle Bedeutung einnehmen. 

Wer an einer berufsbegleitenden oder praxisintegrierten Erzieher/innenausbildung interessiert ist, sollte darauf hingewiesen werden, dass unterschiedliche Kita-Träger die Ausbildung teilweise unterschiedlich hoch vergüten. Die Unterschiede sind abhängig vom Bundesland, von der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit, unterschiedlichen „Haustarifen“ und der unterschiedlichen Anrechnung von in Ausbildung befindlichen Personen auf den Personalschlüssel. Am Quereinstieg Interessierte sollten wissen, dass es für sie lohnend sein kann, nach einem anderen Träger zu suchen, falls ihnen ein angebotenes Gehalt zu gering erscheint. Wenn Interessierte nicht über die Information verfügen, dass sich Vergütungshöhen unterscheiden können, lassen sie sich im schlechtesten Fall von einem Träger, der ihnen ein zu geringes Ausbildungsgehalt in Aussicht stellt, ganz von ihrem Plan, sich in dieses Arbeitsfeld zu orientieren, abbringen.

Die Erfahrung aus den Beratungsgesprächen zeigt, dass der Schritt hin zum Versuch, einen Quer-einstieg zu wagen, stärker von der Finanzierbarkeit des Lebensunterhaltes beeinflusst wird, als beispielsweise von der Dauer einer Ausbildung.

Ergänzende Sozialleistungen

Nützlich könnte in diesem Zuge zudem die Angabe einer ungefähren Spannweite möglicher Vergü-tungen innerhalb des Bundeslandes sein. Auch Hinweise auf die mögliche Inanspruchnahme von BAföG, AFBG sowie ergänzenden Sozialleistungen wie Wohngeld bzw. Mietzuschuss und Kinderzu-schlag sollten besser kommuniziert werden. Es wäre wünschenswert, dass jegliche Finanzierungs-möglichkeiten dort Erwähnung finden, wo Zulassungsbedingungen und Ausbildungsmodelle aufge-führt  werden. Dies könnte für die Interessierten einen hohen Mehrwert erbringen und nicht selten das „Zünglein an der Waage“ darstellen, sich für den Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf zu entscheiden bzw. entscheiden zu können.

Informationen auch landesintern bündeln, aktuell halten und streuen

Die „Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg / Männer in Kitas“ regt daher an, landesspezifische Informationen bezüglich der Finanzierungsmöglichkeiten zusammenzustellen und diese den Stellen anzugliedern, an denen Informationen zur Erzieher/innenausbildung geboten werden. Beispielsweise könnte ein solches Dokument den Berufsfachschulen oder Fachschulen/-akademien zur Verfügung gestellt werden.

Viele Interessierte tragen Verantwortung für Kinder und müssen zum Familieneinkommen beitragen. Hierzu eine Übersicht zu erlangen, kann für eine/n Einzelne/n zu einer unüberwindbaren Barriere werden. Informationen, in einem Dokument zusammengefasst, wären ein echter Gewinn für am Quereinstieg Interessierte.

Das Informationsportal der Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ kann dabei als Grundlage verwendet werden.

https://www.chance-quereinstieg.de/quereinstieg-erzieher-in/  | Bundeslandspezifische Informationen zum Quereinstieg

https://www.chance-quereinstieg.de/quereinstieg-erzieher-in/geschichten-von-quereinsteigerinnen/ | Quereinsteigende berichten von ihren Erfahrungen

https://www.chance-quereinstieg.de/forschung-beratung/beratungstelefon/mein-weg-zum-quereinstieg-film/ | Ein Quereinsteigender berichtet über seine Erfahrungen mit dem Beratungstelefon