Beratungstelefon für am Quereinstieg in den Erzieher/innenberuf Interessierte

Wer nutzt das Angebot?

Die Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ hält seit April 2014 ein telefonisches Beratungsangebot für Frauen und Männer vor, die sich mit einem Quereinstieg in den Erzie-her*innenberuf beschäftigen. Das Beratungstelefon ist weit dem 09.09.2019 an fünf Tagen in der Woche besetzt. Um auch für Berufstätige gut erreichbar zu sein, finden die Sprechzeiten sowohl von morgens bis mittags, als auch nachmittags bis abends statt. Weitere Zielgruppen, die die Beratung nutzen, sind beispielsweise Behörden wie die Agentur für Arbeit bzw. die Jobcenter, andere berufsvermittelnde Anbieter, (ehrenamtliche) Helfer*innen Geflüchteter oder auch Kitaträger, die im Rahmen einer berufsbegleitenden Ausbildung Personen beschäftigen möchten und beispielsweise Fragen zur Finanzierbarkeit einer Vergütung haben.

In welchem Umfang finden Beratungen statt?

Seit der Freischaltung am 02.04.2014 wurden innerhalb der telefonischen Sprechzeiten insgesamt 3.173 telefonische Beratungen durchgeführt (Stand: 24.09.2019). Zusätzlich wurden 510 Gespräche mit Personen geführt, denen ein Telefonat nur außerhalb der Beratungszeit möglich war. Durch-schnittlich werden pro Beratungstag 5,5 Gespräche geführt.

Über das Kontaktformular und per E-Mail erreichten uns im genannten Zeitraum weitere 2571 Beratungsanfragen, die bearbeitet wurden. Durchschnittlich finden pro Woche 10 Beratungsvorgänge per E-Mail statt.

Der/die typische Anrufer/in

Die folgenden Auswertungen beruhen auf der Erfassung der 3.173 telefonischen Beratungen wäh-rend der Sprechzeiten. Der Altersdurchschnitt lag bei den Männern mit 37 Jahren etwas niedriger als bei den Frauen mit 38 Jahren. Das Geschlechterverhältnis der Anrufenden änderte sich von 2014 bis September 2019: Im Jahr 2014 waren etwa 2/3 der Anrufenden männlich, in den Jahren 2016 bis 2018 hingegen waren stets etwa 2/3 der Anrufenden weiblich. Im Jahr 2019 liegt der Anteil männli-cher Anrufender bei 24,6% (Stand: 24.09.2019). Insgesamt stellt sich die Verteilung wie folgt dar: 39% der Anrufenden sind männlich und 61% weiblich (m= 1221; w= 1935).

90,5% (N=2872) der Anrufenden machten Angaben zu Ihrer höchsten schulischen und/oder berufli-chen Qualifikation. Fast die Hälfte der Anrufer*innen verfügte über eine Fach- oder Hochschulzu-gangsberechtigung. Etwa jede*r 13. Anrufende gab an, nicht über einen Mittleren Schulabschluss, der für die Erzieher*innenausbildung als eine Zugangsvoraussetzung relevant ist, zu verfügen.

Höchste SchulbildungProzentuale Verteilung der Anrufenden
Mittlerer Schulabschluss (MSA)45%
Hochschulreife40%
Fachhochschulreife8%
Hauptschulabschluss bzw. Berufsbildungsreife7%

Tabelle 1: Verteilung Höchste Schulbildung; N= 2866

Hinsichtlich der höchsten beruflichen Qualifikation verfügen 6 von 10 über eine berufliche Ausbil-dung. Jede*r vierte Anrufer*in gab als höchsten Berufsabschluss ein abgeschlossenes Studium an und jede*r Achte verfügte über keinen Berufsabschluss.

Höchste Berufliche QualifikationProzentuale Verteilung der Anrufenden
Ausbildung63%
Studium24%
Ohne Berufsabschluss10%
Ohne Berufsabschluss, zum Anrufzeitpunkt in Studium oder Ausbildung03%

Tabelle 2: Verteilung Berufliche Qualifikation; N=2842

Jede*r zweite Anrufende erwägt einen Wechsel aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Weniger als 3 von 10 Anrufenden gaben an, sich im ALG-I oder ALG-II Bezug zu befinden. Zur aktuellen beruflichen Situation machten 85% (N=2684) der Anrufenden Angaben.

Berufliche SituationProzentuale Verteilung der Anrufenden
Angestellte53%
Selbständige5%
ALG-I oder ALG-II Beziehende26%
In Studium, Schule, Ausbildung, Freiwilligendienst, Praktikum8 %
In Eltern- oder Erziehungszeit5 %
Hausfrau/-mann3 %

Tabelle 3: Verteilung Berufliche Situation; N=2684

Aus allen 16 Bundesländern wurden telefonische Beratungsanfragen gestellt. Die meisten Anrufe kamen, in absteigender Anzahl, aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Niedersachsen und Hessen.

BundeslandAnrufer/innen gesamt 02.04.14 – 24.09.2019Bundesländer Bevölkerung zum 30.06.2018
(1000 Personen)
Verhältnis Anru-fer*in je 10.000 Einwohner*innen
Baden-Württemberg171        11.050,70,15
Bayern192        13.038,70,15
Berlin508        3.624,91,4
Brandenburg89        2.506,60,36
Bremen21        680,60,31
Hamburg93       1.843,20,51
Hessen256        6.250,50,41
Mecklenburg-Vorpommern82        1.609,60,51
Niedersachsen301        7.978,90,38
Nordrhein-Westfalen720       17.914,30,40
Rheinland-Pfalz149        4.078,10,37
Saarland27       992,2 0,27
Sachsen 203        4.075,30,50
Sachsen-Anhalt94        2.213,90,42
Schleswig-Holstein167        2.893,00,58
Thüringen50        2.145,50,23
Gesamt Deutschland3.12382.887,00,38

Tabelle 4:  Anrufe Beratungstelefon nach Anzahl und Verhältnis zur Einwohnerzahl aus den Bundesländern; N=3123

54% der Anrufenden gaben an, über einschlägige Erfahrungen in sozialpädagogischen Einrichtungen zu verfügen, beispielsweise in Form mindestens mehrmonatiger Praktika, Freiwilligendienste oder ehrenamtlicher Tätigkeiten. Einschlägige pädagogische Praxiserfahrungen sind in 11 von 18 Bundesländern eine der Voraussetzungen für die Aufnahme einer Erzieher*innenausbildung.

Individuelle Beratung

Im Rahmen der Beratungen erhalten Ratsuchende aktuelle und weiterführende Informationen zu allen Fragen, die individuell auftreten können, wenn ein Quereinstieg in den Erzieher*innenberuf erwogen wird oder bereits begonnen wurde. Die Beratungsbedarfe beziehen sich neben u.a. Ver-ständnisfragen zu Zulassungsvoraussetzungen und Ausbildungsmodellen nahezu immer auf den Bereich der Finanzierungsmöglichkeiten.

Sich orientieren – Aber wo?

Die größte Gruppe der Ratsuchenden befindet sich zum Zeitpunkt des Gesprächs in der Orientie-rungsphase. Sie interessieren sich dafür, ob und, wenn ja, wie ein Quereinstieg in ihrem Bundesland realisierbar ist. Die meisten Personen wissen nicht, ob sie die Zulassungsvoraussetzungen zum Ausbildungsgang erfüllen. Als Fachfremde verstehen sie die Informationen, die sie meist der Website einer Fachschule entnommen haben, nicht genau. Ausnahmen für den Einzelfall sind in aller Regel völlig unbekannt. Regelmäßig berichten Personen, die im Vorfeld bereits mit einer Berufsfachschule oder Fachschule/-akademie in direktem Kontakt standen, dass ein telefonisches Gespräch mit der Schule nicht zielführend war und sie weitere Informationen benötigen. Den Anrufer*innen häufig nicht bekannt, dass die Ausbildungsstätten grundsätzlich zur Beratung beauftragt sind.

Zulassungsvoraussetzungen

Ratsuchenden ist in den meisten Fällen nicht bekannt, welche unterschiedlichen Ausbildungsmodelle es in ihrem Bundesland gibt. Im Beratungsgespräch hören sie häufig erstmals davon, dass sich die Ausbildungsbedingungen zwischen den Bundesländern zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, vor allem hinsichtlich der Zulassungsvoraussetzungen, der Ausbildungsmodelle und der Finanzierungsmöglichkeiten. Teilweise lohnt sich deswegen, je nach Wohnort und gegebenenfalls der Möglichkeit, den Wohnort zu wechseln, auch ein Blick auf andere, in der Regel angrenzende, Bundesländer. Von den Fachschulen/-akademien ist eine umfassende Beratung zu allen Möglichkeiten, ggf. sogar in angrenzenden Bundesländern, sicherlich nicht zu erwarten. Nicht alle Fachschulen/-akademien bieten alle im Bundesland möglichen Ausbildungsmodelle an. Zudem unterscheiden sich nicht selten sogar einzelne Fachschulen hinsichtlich der Organisation und der Rhythmisierung des Unterrichts deutlich voneinander.

Vergütung

Die Auslotung von Möglichkeiten zur Finanzierung der Ausbildung ist ein zentraler Bestandteil nahezu aller Gespräche. Die Anrufer*innen wissen nicht, welche finanzielle Situation sich für sie im Falle einer Ausbildung ergeben wird oder ergeben kann. Bezogen auf berufsbegleitende Ausbil-dungsgänge ist ihnen häufig unklar, unter welchen Vorrausetzungen und in welcher Höhe sie mit einer Vergütung rechnen können. Fast nie ist ihnen bekannt, dass Träger oftmals Vergütungen in unterschiedlicher Höhe zahlen. Zudem verfügen sie nahezu immer nur über lückenhafte Informationen bezüglich potentiell ergänzender Sozialleistungen wie Wohngeld bzw. Mietzuschuss oder Kinderzuschlag.

In der Beratung hat sich gezeigt, dass sofern keine Aussicht auf einen Bildungsgutschein oder Auf-stiegs-BAföG in Verbindung mit einem auskömmlichen Einkommen durch eine*n Lebenspartner*in zur      (Teil-)Finanzierung einer vollzeitschulischen Ausbildung besteht, für Interessent*innen am Quereinstieg in der Regel nur eine vergütete Ausbildung in Frage kommt. Eine Ausnahme bilden hier (allein)erziehende Mütter.

(Allein)Erziehende Mütter

Immer wieder berichten weibliche Anrufende, oftmals Alleinerziehende, davon, dass aufgrund der Betreuung eigener Kinder nur eine Ausbildung in teilzeitschulischer Form mit tatsächlich reduziertem wöchentlichem Stundenumfang in Frage kommt. Diese Einschränkung wird von männlichen Anrufenden nahezu niemals angeführt.

Beratungsbedarfe von Männern

Männliche Anrufende nutzen das Beratungsangebot zusätzlich zu den oben genannten Themen, um zu erfahren, ob Männer im Berufsfeld generell akzeptiert werden. Daraus leiten sie ihre Beschäftigungschancen nach Abschluss einer Ausbildung ab.

Quereinstiegsinteressierten eine Entscheidungsgrundlagen bereitstellen - Bedarf an landesspezifisch aufbereiteten, gebündelten und übersichtlich dargestellten Informationen

Die hier skizzierten Erfahrungen bestätigen, dass für die Zielgruppe am Quereinstieg Interessierter gebündelte landesspezifische Informationen sehr hilfreich sein können. Darin sollte eine Übersicht der Ausbildungsmodelle im jeweiligen Bundesland bereitgestellt werden, ebenso Erläuterungen zu den spezifischen Zulassungsvoraussetzungen und eine Übersicht der unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten.
Vor allem zu diesen drei Themengebieten benötigen Quereinstiegsinteressierte umfassende Informationen, um die Entscheidung für einen Gang in das Berufsfeld der Erzieher*innen treffen zu können.

Finanzierung des Lebensunterhaltes durch Vergütung

Die Ratsuchenden befinden sich häufig in einer Lebensphase, in der Planbarkeit und Klarheit hinsichtlich ihrer finanziellen Situation eine essenzielle Bedeutung einnehmen. 

Wer an einer berufsbegleitenden oder praxisintegrierten Erzieher*innenausbildung interessiert ist, sollte darauf hingewiesen werden, dass unterschiedliche Kita-Träger die Ausbildung teilweise unterschiedlich hoch vergüten. Die Unterschiede sind abhängig vom Bundesland, von der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit, unterschiedlichen „Haustarifen“ und der unterschiedlichen Anrechnung von in Ausbildung befindlichen Personen auf den Personalschlüssel. Am Quereinstieg Interessierte sollten wissen, dass es für sie lohnend sein kann, nach einem anderen Träger zu suchen, falls ihnen ein angebotenes Gehalt zu gering erscheint, um den Lebensunterhalt (mit) sichern zu können. Wenn Interessierte nicht über die Information verfügen, dass sich Vergütungshöhen unterscheiden können, lassen sie sich im schlechtesten Fall von einem Träger, der ihnen ein zu geringes Ausbildungsgehalt in Aussicht stellt, ganz von ihrem Plan, sich in dieses Arbeitsfeld zu orientieren, abbringen. Nützlich könnte in diesem Zuge zudem die Angabe einer ungefähren Spannweite möglicher Vergütungen innerhalb des Bundeslandes sein.

Die Erfahrung aus den Beratungsgesprächen zeigt, dass der Schritt hin zum Versuch, einen Quer-einstieg zu wagen, stärker von der Finanzierbarkeit des Lebensunterhaltes beeinflusst wird, als beispielsweise von der Dauer einer Ausbildung.

Vergütung und ergänzende Sozialleistungen

Hinweise auf die mögliche Inanspruchnahme von BAföG, AFBG sowie ergänzenden Sozialleistungen wie Wohngeld bzw. Mietzuschuss und Kinderzuschlag sollten besser kommuniziert werden. Es wäre wünschenswert, dass jegliche Finanzierungsmöglichkeiten dort Erwähnung finden, wo Zulassungsbedingungen und Ausbildungsmodelle aufgeführt  werden. Dies könnte für die Interessierten einen hohen Mehrwert erbringen und nicht selten das „Zünglein an der Waage“ darstellen, sich für den Quereinstieg in den Erzieher*innenberuf zu entscheiden bzw. entscheiden zu können.

Informationen auch landesintern bündeln, aktuell halten und streuen

Die „Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg / Männer in Kitas“ regt daher an, landesspezifische Informationen bezüglich der Finanzierungsmöglichkeiten zusammenzustellen und diese den Stellen anzugliedern, an denen Informationen zur Erzieher*innenausbildung geboten werden. Beispielsweise könnte ein solches Dokument den Berufsfachschulen oder Fachschulen/-akademien zur Verfügung gestellt werden.

Viele Interessierte tragen Verantwortung für Kinder und müssen zum Familieneinkommen beitragen. Hierzu eine Übersicht zu erlangen, kann für Einzelne zu einer unüberwindbaren Barriere werden. Informationen, in einem Dokument zusammengefasst, wären ein echter Gewinn gerade für am Quereinstieg Interessierte.

Das Informationsportal der Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ kann dabei als Grundlage verwendet werden.

https://www.chance-quereinstieg.de/quereinstieg-erzieher-in/  | Bundeslandspezifische Informationen zum Quereinstieg

https://www.chance-quereinstieg.de/quereinstieg-erzieher-in/geschichten-von-quereinsteigerinnen/ | Quereinsteigende berichten von ihren Erfahrungen